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Brennen

den holzofen brennen


das brennnen ist eine anspruchsvolle aufgabe. das brennen von keramik in einem holzofen unterscheidet sich stark von anderen brenntechniken. wer bei einem holzband mitmachen will, muss sich erstmal mit der funktionsweise des holzofens vertraut machen. in jedem brenntrupp braucht es mindestens eine person, die mit diesem vorgang vertraut ist. jeder brenntrupp muss in der lage sein, die temperatur zu halten oder zu steigern, ohne dabei die zuvor erarbeiteten ressourcen auszubeuten.
da wir als team brennen, ist es unumgänglich, dass die teilnehmer beim schichtwechsel die aktuelle situation besprechen und das weitere vorgehen gegebenenfalls anpassen. beim holzbrand ist die situation selten eindeutig und ein gelegentlicher wechsel der brenntechnik kann zu interessanteren, abwechslungsreicheren oberflächen führen. es geht niemals darum, welcher brenntrupp gut oder schlecht brennt. jede kritik hat das ziel, den brand zu verbessern. wenn sich teilnehmer dadurch persönlich angegriffen fühlen, ist dies ihre eigene entscheidung. respektieren sie die meinungen der anderen und überprüfen sie die argumente sachlich. niemand beherrscht eine solche naturgewalt und keiner kann sie völlig verstehen. nutzen sie jede kritik um ihr verständnis des holzbandes zu hinterfragen und zu verfeinern. so hat selbst eine unbegründete kritik ihren nutzen.

zur einarbeitung ist das buch "holzbrand, geheimnisse japanischer meister" zu empfehlen. das buch bietet einen allgemeinen einblick in den holzbrand und beschreibt in verständlichen worten die verschiedenen aspekte. allerdings unterscheiden sich die im buch beschriebenen öfen stark von unserem tongkama und die anweisungen können nur teilweise übernommen werden.

im folgendenden text möchte ich meine bisherigen erfahrungen und gedanken festhalten. ich hoffe damit eine grundlage zu legen, auf welcher die kommunikation unter den brandteilnehmern verbessert werden kann. ich versuche die grundsätzliche funktionsweise des holzbandes zu beschreiben und auf die wichtigsten punkte einzugehen, die während dem brennen zu beachten sind.

wie verbrennt holz ?
beim erhitzen löst sich der brennstoff in gas auf (holzgas). mit genügend sauerstoff verbrennt nun dieses gas als sichtbare flamme. ein normales holzfeuer brennt mit ca. 400 grad. die höchsttemperatur eines offenen feuers liegt etwa bei 800 grad. höhere temperaturen erreicht man nur dadurch, dass die wärme nicht entfliehen kann. so gesehen ist ein holzbrand ein großer hitzestau. das gewölbe heizt sich dabei kontinuierlich auf und gibt diese wärme im späteren brandverlauf wieder an die ofenatmosphäre ab.

zu brandbeginn lässt sich die temperatur problemlos steigern. achten sie darauf, die temperatur nicht zu schnell zu steigern. halten sie sich an die zu brandbeginn definierten höchstwerte und sorgen sie für möglichst wenig temperaturschwankungen. dabei können sie sich völlig auf den pyrometer verlassen. das gerät zeigt die aktuelle temperatur der luft im ofen an. auch wenn diese temperatur kurzfristig um 30 grad steigt oder sinkt, bleibt das aufheizen der keramik immer noch gleichmäßig genug. halten sie das feuer bis etwa 300 grad ausschließlich innerhalb des unteren bogens. das holz darf nicht in den brennraum hinein ragen. würde eine rohe keramik direkt von einer flamme getroffen, könnte dies zu einem riss führen. sobald sie diese temperatur überschritten haben, beginnen sie langsam mit dem aufbauen einer glutschicht. verwenden sie in dieser phase lieber etwas dickere holzstücke, die länger und gleichmäßiger brennen. legen sie die holzstücke zunächst nur mit der vordersten ecke ins feuer. so brennen zuerst nur die ersten 10 cm. das feuer brennt nun langsam dem holzstück entlang und kommt somit aus dem ofen heraus. schieben sie das holzstück entsprechend in regelmäßigen abständen weiter in den ofen. achten sie immer darauf, dass das holz im ofeninnern zu glut zerfällt.

mit der zeit sollte sich im brennraum ein gluthaufen bilden. schieben sie die glut nur dann weiter in den ofen, wenn sie zuwenig platz für das feuer haben. meist wandert die glut von alleine mit dem nachschieben der holzstücke nach hinten. oft hat man sogar zuwenig glut im bogen und das holz brennt erst im ofeninnern. verbrennen sie in diesem fall einfach kleine holzstücke im leerraum zwischen den großen holzstücken. damit bildet sich neue glut im bogenbereich und sie können ohne unterbruch in der selben weise weiterbrennen. achten sie darauf, dass nicht verbranntes holz beim reinschieben immer oben auf der glut liegt. wird das holz in die glut hineingeschoben, kann es nicht mehr verbrennen und ohne kontakt zur glut verbrennen die schwarzen holzstücke zu langsam. beides senkt die temperatur der glut und sie würgen den ofen ab.

betrachten sie die glut wie einen anzünder. das eingeworfene holz wird durch die heiße glut vergast. kühlt die glut ab, kann das holz nicht mehr schnell genug verbrennen und die temperatur fällt. eine leuchtend helle glutschicht ist das wichtigste element beim brennen. wird die glut dunkel, setzen sie alles daran, diesen umstand zu korrigieren. lassen sie wenn nötig einen teil der glut runterbrennen bis sie wieder eine heiße, helle glut haben. sind sie sich jedoch bewusst, dass sie damit die arbeit des vorangegangen brenntrupps verbrennen und es wieder viele stunden arbeit und holz kosten wird um diese glut erneut aufzubauen.

oft wird die glut unabsichtlich und über längere zeit aufgebraucht. dies geschieht, wenn ein brenntrupp zu vorsichtig holz nachlegt. die temperatur kann mit hilfe der glut mühelos gehalten oder gesteigert werden. nur durch beobachten der glutmenge können sie diesen fehler vermeiden. versuchen sie stets die glutmenge zu halten oder zu steigern, lassen sie die glut jedoch nie abkühlen.

die steigerung der temperatur kann je nach brand sehr unterschiedlich sein. je nach anzahl und position der rohware und der feuchtigkeit des ofens muss sehr langsam aufgeheizt werden. falls objekte im ofen sind, die bereits einmal in einem hozofen gebrannt wurden, muss sehr langsam über die grenze von 229 grad geheizt werden. da die temeratur im ofen nicht überall gleich ansteigt, sollten sie bereits ab 200 grad sehr vorsichtig heizen und dies bis 250 grad beibehalten. bei dieser temperatur dehnt sich das cristobalit im ton aus, und würde bei zu schnellem heizen zu rissen führen. in jedem fall steigern sie die temeratur im bereich von 550 bis 600 grad in gleicher weise langsam. in diesem bereich findet der quarzsprung statt. danach kann die temperatur dem feuer möglichen gesteigert werden.

heizen sie solange der gluthaufen dies zulässt durch die untere öffnung in der beschriebenen weise. bevor sie die untere öffnung schliessen und durch die obere öffnung zu heizen beginnen, sollte die gesamte brennkammer mit glut bedeckt sein. werfen sie das holz so ein, dass es gleichmässig auf der glut verteilt ist. so nutzen sie diese heisse glutfläche zum schnellen vergasen der neu eingeworfenen holzstücke. achten sie darauf, dass das holz genügend sauerstoff erhält und werfen sie nicht zuviel holz auf eimal ein. schwarze rauchwolken sind ein schlechtes zeichen. unter 1000 grad ist das reduzierende brennen mit zuwenig sauerstoff nur eine verschwendung von holz. auf die keramik hat dies kaum einen einfluss.

damit der ofen nicht ins stocken gerät, muss in jeder phase für ein effizientes vergasen des holzes gesorgt werden. die einfachste methode, ein schnelles vergasen zu erzielen ist die verwendung dünner holzstücke. diese haben im vergleich zur masse eine weit größere oberfläche und brennen deshalb viel effizienter. hartholz hat mehr energie als ein nadelholz. um die temperatur zu steigern, greiffen sie besser zur buche.

statt das holz direkt in die glut zu werfen, verwende ich gerne eine andere technik mit der offiziellen bezeichnung "holztür". bei naori verwenden wir meist die inoffizielle bezeichnung "bombe". dabei füllt man die gesamte öffnung mit holz und schiebt das ganze packet schritt für schritt in den ofen. dadurch gelangt die luft zwischen den einzelnen holzstücken in den ofen und heizt sich dabei bereits auf. wenn das holz ganz in den brennraum geschobem wird und man es auf der glut verteilt, ist bereits ein grosser teil verbrannt. in der zeit, in welcher die nächste bombe langsam in den ofen geschoben wird, können diese verbleibenden schwarzen stücke zu glut zerfallen. insgesamt eine sehr effiziente und leicht zu handhabende brenntechnik. solange sie oxidierend brennen wollen, müssen sie möglichst lose füllen. legen sie immer abwechslungsweise zwei holzstücke schräg von rechts und darüber zwei schräg von links in die öffnung. achten sie bein hineinschieben darauf, dass das packet nicht zu kompakt wird. warten sie mit dem nachschieben bis kein oder nur noch wenig rauch aus dem kamin tritt. bei temperaturen über 1100 grad tritt die flamme aus dem kamin. warten sie, bis sich die flamme in den kamin zurückzieht bevor sie das packet nachschieben. je weiter sie nun das paket reinschieben, desto höher wird die flamme. gerade nachts kann man den rauch und auch die anzeige vom pyrometer schlechter erkennen. da ist die flamme natürlich viel besser zu beobachten.

bei 650 grad beginnt die keramik zu leuchten. zunächst rot, später orange, gelb bis weiss. sobald die objekte weiss leuchten haben sie die endtemperatur erreicht. wenn sie in den unteren temparaturen farben sehen, ist dies nur die reflektion der flammen. versuchen sie die farbe der flamme und die farbe der keramik auseinander zu halten. der ofen hat nicht nur eine temperatur. beobachten sie die farbunterschiede im ofen. dadurch können sie erkennen, ob die temperatur steigt, fällt oder gehalten wird. je grösser die farbunterschiede sind, desto schneller steigt oder sinkt die temperatur.

ab 800 grad wird es immer schwieriger die temperatur zu steigern. dies liegt daran, dass sie nun die höchsttemperatur ihres brennstoffs erreicht haben. auch wenn die lufttemperatur, die sie auf dem pyrometer ablesen, nicht weiter steigt, führen sie dem ofen weiterhin zusätzliche energie zu. es kann viele stunden dauern, bis das gewölbe soviel energie aufgenommen hat, das es diese an die ofenatmosphäre abgibt. obwohl das pyrometer auch in den oberen temperaturen ein hilfreiches instrument ist und sich damit der heizzyklus hervorragend überwachen lässt, solten sie von diesen zahlen nicht auf den zustand der keramik schliessen. sie haben die möglichkeit, die entstehung und das schmelzen der glasur mit eigenen augen zu beobachten. also nutzen und geniessen sie diese möglichkeit.

bei 1050 grad wird die tonoberfläche klebrig und die anfliegende asche klebt an den objekten. ausserdem nimmt hier die wirkung einer reduzierenden atmosphäre stark zu. heizen sie in dieser phase am besten mit leicht reduzierenden tannenbomben. das weniger sauber verbrennende, reduzierende feuer ergibt einen stärkeren ascheanflug. in dieser weise erreichen sie einen langsamen temperaturanstieg, bei dem bereits sauerstoff aus dem ton gezogen wird. zugleich sorgen sie damit für eine ausreichend hohe glutschicht.

ab 1150 grad beginnt die ascheglasur zu schmelzen. zunächst entsteht eine rindenartige struktur, die mit der zeit feiner wird und zu glänzen beginnt. ein stück aus porzellan beginnt viel früher an zu glänzen als ein daneben stehendes stück aus steinzeug.

achten sie frühzeitig auf tonoberfläche und segerkegel. der pyrometer kann weit tiefere temperaturen anzeigen, wenn vorne im ofen die segerkegel fallen. wenn sie plötzlich feststellen, dass die temperatur zu hoch ist, werfen sie trotzdem holz ein und schliessen sie die tür. durch die reduktion sinkt die temperatur. wenn sie wieder zu steigen beginnt, werfen sie erneut holz ein. damit wird die temperatur recht schnell absinken und sie können sich daran machen, die entstandenen schwarzen holzstücke im brennraum wieder abbrennen zu lassen.

nach erreichen der endtemperatur werden meist phasen mit stärkerer reduktion durchgeführt. diese sollten jedoch mit den anderen brandteilnehmern besprochen werden. die länge der reduktion ( 1 - 4 h ) und die stärke dieser reduktionen haben grossen einfluss auf die farben der keramik. auch die wahl der reduktionsmittel ergeben dabei unterschiede. denken sie beim reduzieren immer daran, dass sie die in dieser phase verlorene temperatur wieder aufheizen müssen. lassen sie die temperatur nur bis 1150 fallen. wenn eine dicke glasurschicht gewünscht wird, können sie auch bis auf 1050 grad sinken.

beginnen sie die seitenfeuerungen erst, wenn sie die endtemperatur erreicht haben. dabei sinkt die temperatur ab und sie müssen wieder phasen einlegen, um die temperatur zu steigern. normalerweise heizt man erst die hintere seitenfeuerung, danach die vordere seitenfeuerung und gleich danach normal von vorne in den brennraum. nun kann man noch ein oder zwei mal von vorne heizen bevor man wieder die seitenfeuerung in angriff nimmt. auf die temperatur hat die seitenfeuerung keinen relevanten einfluss. das ziel ist, die hinteren ofenbereiche auch mit ascheglasur zu bereichern. zudem hat die glut in diesen bereichen einen einfluss auf die ausbildung von holzbrandefekten.

das wichtigste bei der seitenfeuerug ist, dass möglichst wenig schäden an den keramiken entstehen. dass ein stück getroffen wird, dadurch mit einem andern zusammenklebt oder vom regal fällt ist nicht zu vermeiden. wenn sie also bedenken haben und holzstücke vorsichtig in die seitenfeuerung werfen, ist dies ein gutes zeichen.

beim brennen in dieser phase wechselt die atmosphäre bei jedem holzeinwurf von oxidierend auf reduzierend. dabei fällt die lufttemperatur und beginnt nach einer weile wieder zu steigen. hier wechselt die atmosphäre wieder auf oxidierend. wenn sie vor dem ofen stehen, hören sie nun deutlich das knacken von brennendem holz. sobald dieses knacken verstummt, ist der brennstoff aufgebraucht und sie müssen wieder holz nachlegen. entsprechend wird die auf dem pyrometer ablesbare lufttemperatur aufhören zu steigen. warten sie nicht bis die temperatur wieder sinkt. so halten sie die zeit mit oxidierender atmosphäre kurz.

der wechsel zwischen oxidierender und reduzierender atmosphäre führt zu interessanten oberflächen mit unterschiedlichen färbungen. wird jedoch zulange oxidierend gebrannt, lagert sich der sauerstoff in ton und glasur wieder an und die reduktionsfarben verschwinden. öffnen sie die türe nur so kurz wie möglich, um asche aufzuwühlen und frisches holz nachzulegen.

das festlegen des brandendes ist der schwierigste entscheid während dem brand. je nach brandende kann das ergebnis völlig unterschiedlich aussehen. ich finde einen mittelweg am sinnvollsten, welcher sowohl glänzende als auch matte oberflächen zulässt. dazu muss im ofen eine hohe glutschicht vorhanden sein und die temperatur sollte möglichst hoch sein. nehmen sie ein teststück aus dem ofen. wenn die glasur dick genug ist und die rückseite dunkelbraune, hellbraune und pfirsich farben aufweist, können sie mit der vorbereitung für das brandende beginnen. achten sie darauf, dass die objekte im ganzen ofen glänzen. besonders im hinteren unteren bereich kann dies ein problem sein. die glut sollte im ganzen ofen hell strahlen. über der glut sollten sich die flammen wie wasser bewegen und eine wenige zentimeter hohe oberfläche bilden, die an eine meeresoberfläche erinnert. ecken der glut, die aus dieser oberfläche herausragen sollten wie kristalle glitzern. dabei ist die ofenatmosphäre ruhig und windstill. jetzt können sie den ofen schliessen.

stellen sie vorgängig mehrere alte intakte einsetzplatten vor die untere, bereits verschlossene feueröffnung und stellen sie den benötigten mörtel bereit. die aufgeheizten platten verwenden sie nun zum schliessen der feueröffnung. dichten sie alle fugen und risse sowohl vorne als auch bei den seitenfeuerungen ab. sobald der grösste druck aus dem ofen entwichen ist, schliessen sie den kaminschieber. wenn am ende kein holz mehr nachgeworfen wurde, können sie sehr schnell schliessen.

Naori Swiss